
Tschechische Grenze
Reiseenduro-Fans aufgepasst! Die Tour, die Rudi Malis und Frank Klose hier vorstellen, gehört sicher zum Besten, was man in dieser Kategorie unter die Reifen bekommen kann.
Erzgebirge
Strecken-Achsen, Bikertreffs, Tankstellen und fertige Tagesrunden – alles zum Fahren.
Von der Redaktion gefahren und dokumentiert – mit Karte und GPX-Track zum Nachfahren.

Reiseenduro-Fans aufgepasst! Die Tour, die Rudi Malis und Frank Klose hier vorstellen, gehört sicher zum Besten, was man in dieser Kategorie unter die Reifen bekommen kann.

Kleine Straßen ohne viel Verkehr, satte Kurven und ein bisschen Schotter – im Erzgebirge wartete das ganz große Motorrad-Vergnügen.

Das Riesengebirge (polnisch Karkonosze, tschechisch Krkonoše) erreicht in der Schneekoppe eine Höhe von 1.602 Metern.

Das Erzgebirge eröffnet eine fantastische Motorradregion, die reichlich geschichtsträchtige Städte und ganz wunderbare Motorradpisten bietet.

Herzlich willkommen im Erzgebirge, wo eigentlich immer Weihnachten ist. Man findet nämlich nicht nur Nussknacker, sondern auch eine herrliche Landschaft, prima Kurven und preiswerten Sprit gibt es gleich nebenan in Tschechien.

Das Vogtland wirkt durch Felder, Wiesen und bewaldete Hügelkuppen recht idyllisch. Im Süden steigt das Vogtland zum Mittelgebirge an. Hier finden sich auch die höchsten Berge der Region, wie Schneehübel (974 m), Aschberg (936 m) und der…
Am Nordrand des Gebirges bei Hohenstein-Ernstthal tragen zwei völlig verschiedene Strecken denselben Namen — und für Motorradfahrer macht genau dieser Unterschied den Reiz aus. Der historische Sachsenring war ein Straßenkurs: Seit den 1920er-Jahren wurde hier auf ganz normalen Land- und Ortsstraßen rund um die Stadt gefahren. Große Teile dieses alten Rundkurses sind bis heute öffentliche Straßen, die jeder an jedem Tag der Saison unter die Reifen nehmen darf — ohne Ticket, ohne Anmeldung. Das macht den Ort zum Wallfahrtsziel für Biker: Man rollt über denselben Asphalt, auf dem ein gutes Stück Motorrad-Geschichte geschrieben wurde.
Die heutige Grand-Prix-Strecke ist eine andere Sache. Das in den 1990er-Jahren gebaute, fest eingezäunte Rund ist eine reine Veranstaltungs- und Trainingsanlage — hier wird der deutsche MotoGP-Lauf gefahren. Auf die Piste selbst kommt man nur zu Renn-Terminen als Zuschauer oder mit einem gebuchten Slot bei Touristenfahrten und Trackdays, die der Streckenbetreiber vergibt; einfach hineinfahren geht nicht. Wer den Sachsenring als Ausflugsziel ansteuert, sollte diese Zweiteilung im Kopf haben: Die Legende fährt man frei auf der Landstraße, die Rennpiste nur mit Plan. Ein Blick über den Zaun auf die eingezäunte Strecke ist trotzdem für viele Pflicht.
Das Erzgebirge zieht sich über gut 150 Kilometer als langer Höhenrücken parallel zur böhmischen Grenze — und eine Tour plant man am besten um diesen Rücken herum. Die Kammstraße ist dabei keine einzelne, durchgehend beschilderte Straße, sondern die Kette von Höhenstraßen, die dem Gebirgskamm folgen. Sie bildet die natürliche Ost-West-Achse der Region: An ihr hängen die Bergstädte, von ihr zweigen die Grenzübergänge nach Böhmen ab, und über sie erreicht man die höchsten Punkte. Die Bundesstraßen aus dem Flachland sind die Zubringer, die zum Kamm hinaufklettern — der Kamm selbst ist die Verbindungslinie, an der man sich orientiert.
Fahrerisch ist der Rücken das Gegenstück zu den Talstrecken. Oben reiht sich weiter, offener Schwung mit freier Sicht über beide Abdachungen — ein flüssiges Panoramaband, das man zügig überblickt. Die enge, technische Würze mit den kurzen Kehren liegt dagegen unten an den Flanken. Eine runde Tagesplanung spielt beides gegeneinander aus: den Kamm als Schauseite der Tour, die Täler für die Kurvenarbeit, für Schutz, wenn oben Wind und Nebel aufziehen, und für den Tankstopp — Zapfsäulen werden auf der Höhe schnell selten. Wer stur oben bleibt, verschenkt das halbe Revier, und wer nur im Tal kreist, sieht die weiten Blicke nie.
Nach Süden ist die Grenze offen, und fast jeder Sattelpunkt auf dem Kamm ist zugleich ein möglicher Übertritt nach Tschechien. Ein paar Übergänge lohnen sich als feste Bausteine einer Tour. Bei Reitzenhain quert die B174 den Kamm und läuft auf tschechischer Seite tiefer ins Krušnohoří Richtung Chomutov weiter. Bei Zinnwald–Cínovec oberhalb von Altenberg fällt der alte Fernstraßen-Korridor hinunter Richtung Teplice — der östlichste der großen Übergänge. Die Zwillingsstädte Bärenstein und Vejprty liegen nur durch das Flüsschen Pöhlbach getrennt direkt nebeneinander; hier wechselt man die Seite fast beiläufig. Und über Oberwiesenthal–Boží Dar geht es hinauf zur böhmischen Kammseite und zum Klínovec, der die sächsischen Gipfel überragt.
Die Vignettenfrage ist für Motorradfahrer schnell beantwortet: In Tschechien sind Krafträder von der Maut-Vignette befreit — die Plakette gilt nur für Fahrzeuge auf vier Rädern. Wer mit dem Motorrad über den Kamm nach Böhmen rollt, braucht also keine tschechische Vignette, egal welchen Übergang er wählt. Hinzu kommt: Die Straßen, die von den Grenzübergängen ins böhmische Erzgebirge abzweigen, sind gewöhnliche Land- und Staatsstraßen und für jeden mautfrei. Ein Thema wäre die Plakette erst auf Autobahnen und Schnellstraßen — und die braucht kein Mensch, der die kurvige böhmische Kammseite fahren will. Das größere Ärgernis jenseits der Grenze ist erfahrungsgemäß nicht die Maut, sondern der teils grobe Belag auf den kleinen Nebenstraßen.
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