Wälder, Talsperren und Naturstopps in den Kammlagen
Das Erzgebirge ist Mittelgebirge im klassischen Sinne: weite Wälder, offene Kammlagen, Hochmoore und stille Talsperren prägen das Bild. Für Motorradfahrer ergibt das ein dichtes Netz an Pausenplätzen, an denen die Landschaft direkt am Straßenrand beginnt.
Der Fichtelberg ist im Sommer vor allem eines: das kühlste Ziel der Region. Während in den Tälern die Hitze steht, liegen die Jahresmitteltemperaturen hier oben zwischen rund 2,8 und 4,0 Grad, und vom Gipfelplateau reicht der Blick an klaren Tagen tief nach Böhmen hinein.
Moore und Bergwiesen: Dieselbe Feuchtigkeit, die dem Gebirge seine langen Winter beschert, speist die Hochmoore, die über die Kammlagen verstreut liegen und eine eigene, karge Pflanzenwelt beherbergen. Zwischen ihnen liegen offene Bergwiesen – die Stellen, an denen der Blick über den Kamm überhaupt frei wird.
Talsperren als Pausenplätze: Zu den Sperren des Erzgebirges führen durchweg kurvige Zufahrten über die Hänge, der Weg dorthin gehört also schon zur Strecke. Ob man am Wasser auch anhalten kann, entscheidet der Typ der Sperre: An den Trinkwassertalsperren sind Ufer und Zufahrten weitgehend gesperrt, an den Erholungstalsperren gibt es Uferzugang, Gastronomie und Parkflächen. Wer eine Pause am See fest einplant, klärt das vorher – sonst steht man vor einem Schutzzonenschild statt an einer Bank.
Höhenlage, Wald und die Länge des Winters
Das Erzgebirge liegt weiter im Binnenland als die meisten deutschen Mittelgebirge, und das schlägt sich im Klima nieder. Die Sommer auf den Höhen sind kurz, die Übergangsjahreszeiten lang, und der Unterschied zwischen Talsohle und Kamm beträgt regelmäßig mehrere Grad. Im Herbst und Winter dreht sich das Verhältnis bei Inversionslagen um: Dann liegt der Nebel im Tal, während oben die Sonne steht.
Praktisch bedeutet die Höhenlage vor allem, dass die Saison später beginnt als anderswo. Während in den Flusstälern längst gefahren wird, sind die Kammlagen noch nass, kalt und im Schatten stellenweise vereist. Nordexponierte Hänge und Waldabschnitte trocknen langsam ab; auf einer Runde, die mehrfach die Talseite wechselt, findet man an einem Tag beide Zustände.
Der Wald auf den Höhen ist auffallend jung und uneinheitlich, und das hat einen historischen Grund. In den 1970er und 1980er Jahren starben in den oberen Lagen, besonders im Osterzgebirge, große Fichtenbestände am Schwefeldioxid aus den Kraftwerken des nordböhmischen Braunkohlereviers. Die Region gehörte zum sogenannten Schwarzen Dreieck. Nach 1990 gingen die Emissionen stark zurück, aufgeforstet wurde in Etappen und mit gemischteren Beständen. Was heute wie ein gewachsener Höhenwald aussieht, ist an vielen Stellen Wiederaufbau, unterbrochen von offenen Flächen, die den Blick über den Kamm überhaupt erst freigeben.